In den beiden Pförtnerhäuschen wird jeweils eine Closed Circuit Medienkunst Installation von Thorsten Schwanninger in Kooperation mit Studio Karat gezeigt.
Der Titel Brutto Medial Produkt lehnt sich an die mediale Konstruktion von Wirklichkeit und spielt zwei Varianten dieser Konstitution aus.
2021 | Videoinstallation Röhrenfernseher, Regal, Kamera und Elektrische Babywippe
Vor einer Wand aus gewöhnlichen Röhrenfernsehern steht eine elektrische Babywippe, die sich im immer gleichen Takt hin-und her bewegt. In der Wippe befindet sich eine Kamera, die mit den Fernsehern verbunden ist. Auf den Fernsehern ist das Bild der Kamera zu sehen, das sich durch die Bewegung der Wippe und der endlosen Rückkopplung des Bildes in sich verwischt und wieder aufzureißen scheint. Ein ewig währendes Spiel von Simultanität.
Die Arbeit bezieht sich auf das mediale Echo in der omnichaotischen Polykrise, bei der mantramäßig sich wiederholende Fragmente zu einem fortwährenden Strom an Informationen ergießen, die repetitiv Sicherheit und eine besser Zeit verheißen. Wir werden das Kind schon schaukeln.
2019 | Videoinstallation Monitor, Kamera und Strommessgerät
Die Video-Installation Smart Home von Thorsten Schwanninger besteht aus einem Monitor, einer Kamera und einem Strommessgerät, an dem alle Geräte angeschlossen sind. Die Kamera zeigt den Verbrauch, den das Messgerät misst und gibt die Anzeige auf dem Monitor wieder.
Durch die Anordnung nach dem Closed Circuit Prinzip entsteht eine ungewohnte Gleichzeitigkeit zwischen Gegenwart und der virtuellen Realität. Die Arbeit hinterfragt die Notwendigkeit der Überwachung des Stromverbrauches in Hinblick auf die entstehenden Aufwand durch die Messeinrichtung selbst.
Thorsten Schwanninger lebt und arbeitet als freischaffender Medienkünstler in Karlsruhe. Er ist Teil des Karlsruher Künstlerkollektivs STUDIO KARAT.
www.notarts.biz studio-karat.com
Closed Circuit (geschlossener Kreislauf) bezeichnet in der Medienkunst ein System, in dem Kamera, Übertragung und Monitor direkt miteinander verbunden sind. Das aufgenommene Bild wird ohne zeitliche Verzögerung oder externe Verbreitung unmittelbar wieder ausgegeben. Anders als beim Rundfunk oder Fernsehen entsteht kein offener Sender-Empfänger-Prozess, sondern ein selbstreferenzielles System, in dem Produktion und Rezeption räumlich und zeitlich zusammenfallen.
Closed Circuit bleibt auch im digitalen Zeitalter relevant. In Zeiten allgegenwärtiger Überwachungskameras, Livestreams und Self-Tracking-Systeme hat sich das einst experimentelle Setting in eine gesellschaftliche Normalität verwandelt. Medienkünstlerische Arbeiten greifen diese Bedingungen auf und reflektieren Fragen von Datenschutz, Identität und algorithmischer Kontrolle.
Damit steht Closed Circuit in der Medienkunst nicht nur für eine technische Anordnung, sondern für eine kritische Praxis: Es macht sichtbar, wie sehr Wahrnehmung, Subjektivität und Macht an mediale Infrastrukturen gebunden sind.
In der Theorie wurde Closed Circuit als Modell eines kybernetischen Systems verstanden: Ein Regelkreis, in dem Input und Output kontinuierlich aufeinander reagieren. Das Bild wird nicht als Repräsentation, sondern als Ereignis im Raum erfahrbar.
In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Closed Circuit zu einem zentralen Verfahren der frühen Videokunst. Künstler*innen wie Nam June Paik und Bruce Nauman experimentierten mit Videoüberwachung, Feedback und Echtzeitübertragung. Parallel dazu untersuchte Dan Graham in Installationen wie Present Continuous Past(s) (1974) die Wahrnehmung von Gegenwart und Vergangenheit durch minimale Zeitverzögerungen im Bildsignal.
Die technische Grundlage bildeten tragbare Videosysteme wie der Sony Portapak, die erstmals eine flexible, unmittelbare Bildproduktion ermöglichten. Dadurch verschob sich der Fokus vom aufgezeichneten Werk hin zur prozessualen Situation.